Montag, 7. September 2009

SA, Tag 043: Cordoba-Bushcamp




6. September 2009, Bushcamp, Argentinien, km 04’024

Heute verfahre ich mich so richtig. Die Wegbeschreibung habe ich immer in einem Plastik auf der Lenkertasche, gut sichtbar und vor dem Regen geschützt. An einer Kreuzung gehe ich nach rechts anstatt links. Ein kleiner Fleck auf dem Plastik lässt das „L“ wie ein „R“ aussehen. 10 km später soll es an einer Kreuzung nach rechts weitergehen. Bei mir nicht. Da die Wegbeschreibungen nie so ganz richtig stimmen, fahre ich weiter. 12km, 15km. Da, eine Abbiegung, aber das Ganze kommt mir suspekt vor, denn eigentlich müsste die nächste Stadt angeschrieben sein. Sie fehlt aber. Zufällig kommt ein Spaziergänger vorbei. Ich frage ihn nach dem Weg. Er lacht und zeigt in die andere Richtung. 40km! Erst auf der Rückfahrt erkenne ich meinen Fehler. 30km für die Katze. Später am Lunch-Platz freut man sich, dass ich wieder aufgetaucht bin. Keine Vermisstenfahrten. Zum Glück habe ich den Fehler rechtzeitig bemerkt, denn ausgerechnet heute habe ich mein Portemonnaie in meiner Hose vergessen. Kein Geld, keine ID, keine Tel-Nr, nichts dabei. Das hätte ins Auge gehen können. Von nun an schreibe ich meine „L“s und „R“s ganz deutlich. Das passiert mir nicht wieder.
Da der Tag ohnehin vermasselt ist, fahre ich ganz gemütlich. Unterwegs an einem Kiosk machen wir eine Pause. Es ist 35° heiss und wir trinken eiskaltes Bier. Was für ein Segen, obschon das gegen meine Prinzipien geht, aber diesmal konnte ich nicht wiederstehen. Kurz danach geht es so richtig bergauf, auf einer Naturstrasse. Und obschon wir schon ganz tollen Wind gehabt haben, so werden alle bisherigen Erfahrungen bei weitem übertroffen. Wir bleiben richtig stehen. Auch auf den kurzen Abfahrten fahren wir 6 km/h. Ich kriege es sogar hin, mein Hinterrad auf der Abfahrt zum rutschen zu bringen, so stark ist der Wind. Manchmal haben wir Seitenwind. Die Kräfte sind so gross, dass man nicht dagegen halten kann oder aber die Räder rutschen seitwärts davon. Insbesondere wenn man aus windgeschützten Stellen herausfährt, wird man richtig umgestossen. Unglaublich. Als Gegenleistung bekommen wir eine wunderschöne Landschaft zusehen. Grau-grüne Felsen, dazwischen beiges Grass, das sich im Wind wiegt, und das bei dunkelblauem Himmel. Wunderschön. Verzweifelt versuche ich, diese Landschaft zu fotografieren. Aber das ist unmöglich. Man kann sie einfach nicht einfangen. Wer das sehen will, muss sich schon herbemühen. Das ist der Preis. Ich bin ganz hingerissen. Ich bleibe einfach stehen und schaue mich satt. Zu tiefst bewegt. Unser Lager beziehen wir in einem kleinen windgeschützten Tal. Da ist sogar ein kleiner Laden, in dieser unberührten Landschaft! Sonst ist weit und breit nichts. Die darauffolgend Nacht ist absolut windstill. So schnell können hier die Verhältnisse ändern. Und diese Ruhe! Man hört einfach nichts, da ist ausser dem Vollmond einfach nichts. Es ist so leise, dass einem die Ohren wichtig weh tun.

Sonntag, 6. September 2009

SA, Tag 042: Ruhetag in Cordoba


5. September 2009, Cordoba, Argentinien, km 03’941

Schon wieder ein Ruhetag. Irgendwie tun mir diese nicht gut. Man hat dann sofort das Gefühl, dass man alles erledigen sollte, was noch offen ist: Fingernägel schneiden, Zelt rausputzen, Bike revidieren, Geschirr nochmals richtig abwaschen, Gepäck neu organisieren und dergleichen. Und zudem ermüdet es sehr, an einem ganzen Tag nicht zu fahren. Man kommt sich dann so träge vor, so unnütz.
Also nehme ich mir vor, heute einen neuen Fotoapparat zu kaufen (der alte hat offenbar den Geist definitiv aufgegeben). Ein Sony soll es sein, Cybershot, weil ich zu Hause einen „grossen“ Apparat habe, der dieselbe Technologie verwendet. Das ist praktisch, weil man dann die gleichen Ladegeräte, dieselben Memories und dieselben Kabel verwendet kann. Aber das gibt es nicht mehr. Zwar heisst es immer noch Cybershot, aber alles ist anders. Ich kaufe die Kamera trotzdem, ist aber nicht ganz billig, im Vergleich zur Schweiz. Bis wieder alles eingerichtet ist, ist der halbe Tag vorbei. Um mein Gewissen zu beruhigen, putze ich mein Velo. Schalt- und Bremskabel neu schmieren , Kette und Kassette waschen. Aber was ist das? An zwei meiner drei Kettenkränze sind Zähne ausgebrochen, ziemlich hässlich. Da bald ein Ketten- und Kassettenwechsel ansteht, wäre es gut, die beiden beschädigten Kränze auch gleich zu wechseln. Also ab in den nächsten Bike-Shop. Toll, in dieser Stadt sind alle Bike-Shops zusammen an derselben Strasse (es sind mindestens 20 Stück). Gestern ist mir schon aufgefallen, dass alle Musik-Läden in derselben Strasse sind. Das ist irgendwie komisch, aber im Fall der Bikeshops ganz praktisch. So kann man Preise vergleichen und solange suchen, bis man das passende gefunden hat. Im meinem Fall heisst das, das die ersten mir die gesamte Baugruppe mit Kurbeln und Achse verkaufen wollen. Nach ein paar Läden finde ich dann genau das richtige. Das beruhigt, denn jetzt kann ich das Ganze System wechseln, ohne einen Bikeshop aufsuchen zu müssen. Alles ist bereit als Spare-Part in meinem Gepäck.
Wenn ich schon von der Stadt spreche, dann kann man noch einiges ergänzen: Hier sind die Städte nicht sehr alt und auch nicht natürlich gewachsen, sondern vor 100 oder mehr Jahren künstlich angelegt worden. Deshalb sind alle Strassen rechtwinklig oder parallel zueinander. Da sie sehr lange sein können, richtet man sich nach den Hausnummern. In Buenos Aires habe ich Hausnummern über 17'000 gesehen! Zwischendurch gibt es dann eine Avenue, wo der grosse Verkehr fliesst. In aller Regel sind alle Strasse Einbahnstrassen. Auch das ist praktisch, weil man als Fussgänger immer nur auf eine Seite schauen muss. Die Richtung der Einbahn erkennt man an jeder Kreuzung, wo die Richtung ausgeschildert ist. Obschon hier die Verkehrsregeln recht lasch gehandhabt werden, halten sich alle an die Einbahnstrassen. Wegen der Einbahnstrassen sind die Ampeln auch immer gleich angeordnet. Aber aufgepasst, oft befinden sich die Ampeln hinter der Kreuzung. Das ist am Anfang sehr irritierend, weil man sie dann gerne übersieht. Für die Fussgänger gibt es nicht immer Ampeln. Man geht dann einfach, wenn die Strasse frei ist. Das braucht ein wenig Erfahrung und vor allem sollte man bei der Sache sein, denn sonst wird es gefährlich, auch wenn man sagen muss, dass dem Verkehr jegliche Aggressivität fehlt. Die Autofahrer sind rücksichtsvoll und respektieren die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Auch die seltenen Fahrräder. Und was hier auch speziell ist, sind die Strassennahmen. Meist nach berühmten Persönlichkeiten, nach Städten und Ländern oder nach wichtigen Daten (zB 25. Mai) benamst. Hier gibt es keine Blumenstrasse oder Bahnhofstrasse. Ganz speziell sind aber die spontanen Namenänderungen. So kann eine Strasse vor der Kreuzung 25 de Mayo heissen und nach der Kreuzung General Foz. Was hingegen sehr mühsam ist, ist das Vorwärtskommen. An jeder Kreuzung muss man warten, bis die Ampel auf grün geschaltet hat. Das gilt gleichermassen für die Autos, die Busse, die Velos und die Fussgänger. Man kommt in den Südamerikanischen Städten einfach nicht voran.
Am Abend schliesse ich mich gegen meine Gewohnheiten einer Biker-Gruppe an. Wir gehen zum Samstagsmarkt und wollen später gemeinsam nachtessen. Der Markt ist interessant. Viel ansprechende Handarbeit. Vor einem schlichten Schmuckstand bleibe ich stehen. Es ist nur wenig Ware da. Der Verkäufer ist noch daran, seine Ware auszulegen. Wir verstehen uns auf Anhieb und sind sofort Freunde. Er stellt ein paar Fragen und erklärt mir vieles über sein Land, über die Gepflogenheiten de Argentinier etc. Für das Mate (spezielle Art von Thé), das er mir anbietet, braucht er noch warmes Wasser und bittet mich, seinen Stand zu hüten, was ich dann auch mache. So kommt es, dass meine Kanadier an „meinem“ Stand vorbeischlendern und zu ihrer grössten Verwunderung mich als Verkäufer sehen. Da ich ausnahmsweise meine langen Haare offen trage, muss das Bild für sie völlig irreal gewesen sein. Ich trinke also mit meinem Freund Hermann Mate und wir unterhalten uns bis spät in den Abend. In dieser Zeit lerne ich noch seine Tante und viele seiner Freunde kennen. Alles wie selbstverständlich. Ein toller, unvergesslicher Abend.

Samstag, 5. September 2009

SA, Tag 041: Rio Tercero-Cordoba

4. September 2009, Cordoba, Argentinien, km 03’941

Die Fahrt nach Cordoba verläuft ohne nennenswerte Vorkommnisse. Die Strecke ist weiterhin flach, aber diesmal erwas abwechslungsreicher. Ein paar Kurven, ein paar Kreuzungen, ein paar Überholmanöver. Der Verkehr nicmmt auch deutllich zu. Am Horizont erkennt man den Fuss der Anden. In der Sonne leuchten die Berge richtig blau, es tut einem fast weh in den Augen.. Ca 25 km vor der stadt nehmen wir einen Umwergg in Kauf, fahren dafür auf einer Naturstrasse ohne Verkehr richtung Stadt. Die Naturstrasse ist sehr unruhig und voler Riffelstellen. Der bringt meine Sachen in meiner Lenkertasche etwass durcheinander. Für die Fahrt nach Cordoba muss ich mir etwas einfallen lassen, denn sonst bleibt nichts mehr ganz in meiner Satteltasche.Urplötzlich wechselt die Naturstrasse in eine top geteerte Strasse mit Seitenlinien und der ganze schnickschnack. Man fragt sich, warum dieser wecshsel, denn es ist weit und breit kein Haus zu sehen. Diese kommen erstr kurz vor der Stadt. Ferienhäusen, ganz schon, aber alle leer. Die Fahr in die Stadt ist etwas umständlich, aber diesmal stimmt die Beschreibung. Den Abend verbringen wir in der attraktiven Füssgngerzone. Superstadt. Gepflegt, netten Leute, hübsche Frauen, viele Caffees und Restaurants.

Freitag, 4. September 2009

SA, Tag 040: Villa Maria-Rio Tercero

3. September 2009, Rio Tercero, Argentinien, km 03’819

Tatsächlich sind meine gesamte Ausrüstung und meine Kleider heute morgen weitgehend trocken. „Weitgehend“ bedeutet, dass man z. B. die Bike-Kleider anziehen kann, ohne dass einem die E… abfallen. In der Regel ziehe ich bei Regenwetter immer wieder die alten Kleider vom Vortag wieder an (die ich am Abend selbstverständlich ausspüle). Meist sind sie aber noch nass, so dass einem eben die E… abfallen. Dafür muss man keine nassen Kleider einpacken, die dann die gesamte Ausrüstung nass machen. Bei schönem Wetter, vor allem wenn es dazu noch windet, trocknen die Kleider noch abends oder über Nacht, so dass man am nächsten Tag diese Kleider einpacken und andere anziehen kann.
Ich habe also in der letzten Nacht im grossen Saal geschlafen, und weil alle noch ihr Bike darin untergebracht haben, weckt mich heute morgen Tim um 5.00h, weil er sein Bike rausholen muss. Er ist immer der erste, der morgens aufsteht, aber der letzte, der das Camp verlässt. Dazwischen liegen gut 3 ½ Stunden. Keine Ahnung, was er in dieser Zeit alles macht. Ich bin immer der letzte, der aufsteht. Ich verlasse das Camp auch unter den letzten. Die meisten hohle ich dann auf den ersten km wieder ein. Die schnelleren hingegen sind schwer einzuholen, weil sie natürlich schnell sind, insbesondere bei Rückenwind. Eine kleine Rechnung soll das verdeutlichen. Wenn einer eine ½ Stunde vorher abfährt und 30 km/h fährt, hat er 15 km Vorsprung. Wenn ich mit 32 km/h fahre, brauche ich 7½ Stunden oder ca. 220 km, um ihn einzuholen (er ist somit uneinholbar). Oder: wenn ich jemanden am Horizont mit 5 km Vorsprung sehe und ich nur 1 km/h schneller fahre als er, brauche ich 5 Stunden, um in einzuholen. Solche und ähnliche Berechnungen stelle ich heute an, denn die heutige Fahrt ist wirklich sehr langweilig. Immer noch ist alles flach, und die Strecke ist sehr einfach: raus aus dem Camping, links auf die Hauptstrasse, bei km 39 rechts abbiegen bis zum Hotel Argentina in Rio Tercero. That’s it. Das muss ich nicht aufschreiben, das kann sogar ich im Kopf behalten. Dazwischen gibt es nichts erwähnenswertes. Sogar den Lunch (der sonst immer eine willkommene Abwechslung darstellt, auch wenn die Sandwiches immer gleich aussehen) lasse ich aus. Es ist mir zu kalt und zu nass, um anzuhalten. Dafür gehe ich in Rio Tercero, das ich als erster erreiche, in ein italienisches Restaurant und esse Teigwaren. Ich habe also heute morgen meine Schuhe in die Pedalen eingeklickt und bin 107 km später wieder aus die Pedale rausgeklickt. Ein einziges mal bin ich abgestiegen. Als ich nämlich Jessicas Schlauch gewechselt habe. Mit ihren dünnen Pneus hat sie sich nämlich eine Platten geholt. Ihre Ausrüstung ist definitiv nicht dazu geeignet, in Südamerika Velo zu fahren. Und wenn man ihre sauber manikürierte Fingernägel sieht, dann muss man fast annehmen, dass nicht nur ihre Ausrüstung fehl am Platz ist. Ich helfe ihr also mit ein paar Handgriffen, ihren Schlauch zu wechseln, und fahre im Nieselregen weiter.
Auf meinem Bike fühle ich mich immer wohler. Keine Rücken- oder Nackenschmerzen. Die Kniee sind ok, die Hüften auch. Und seit ich meinen Sattel etwas runtergesetzt habe, haben die Schmerzen in den Fersen deutlich nachgelassen, auch nach einem Tag wie heute (lang, kalt und nass).Morgen sind wir in Cordoba, der 2. grössten Stadt Argentiniens (1.3 Mio Einwohner. Schon mal was von Cordoba gehört?). Dann geht’s in die Berge, das sieht man dem Strassenverlauf auf der Karte sofort an. Fertig tagelang gerade Strassen! Jetzt kommen die Kurven und Höhenmeter.

Donnerstag, 3. September 2009

SA, Tag 039: Bouquet-Villa Maria

2. September 2009, Villa Maria, Argentinien, km 03’712

Heute sitze ich wieder auf meinem Bike. Der morgen überrascht uns mit einem Dauerregen. Eine gute Gelegenheit, meine in BA gekauften Neopren-Überschuhe einzuweihen. Da ich gestern die Einfahrt ins Dorf verpennt habe (ich war ja im Truck), finde ich heute den Weg auf die Hauptstrasse nicht sofort. Erst mit viel Verspätung komme ich also in Fahrt. Irgendwann schleicht sich ein Polizeiauto hinter mich und begleitet mich auf ca. 15 km . Ich weiss nicht so recht, was das soll. Wollen sie mich eskortieren, sicher sein, dass ich die Stadt auch wirklich verlasse oder mich imponieren? Keine Ahnung. Ich bin heute gut drauf, und wir haben Rückenwind. Unterwegs überhohle ich sogar einen Zug. Das ist neu. Ich habe schon vieles überholt: Velos, Autos, Motorräder, Schiffe, Cars, PTT-Bus, Krankenwagen (Krankenwagen mit Blaulicht war mal in Reichweite, aus Respekt auf den Verunfallten habe ich dann auf das Überholmanöver verzichtet). Aber ein Zug, das ist was wirklich neues. Und der war lang, und das hat gedauert! Heute bin ich für jede Abwechslung froh, denn die Strasse könnte nicht langweiliger sein. Über 100 km und mehr gerade, ohne Kreuzung, ohne Verkehr, ohne Steigung. Über jeder Schlagloch freut man sich und umfährt es umständlich, nur um sich wach zu halten. Und alles ist weiterhin flach. Es gibt auf den gesamten 138 km nicht eine Steigung. Die 12cm Randstein bei der Ausfahrt aus dem Camping sind die einzigen Höhenzentimeter, die ich heute fahre! Aber bald wird sich das ändern, den die Anden kommen immer näher, und dort wird es Höhenmeter zu Hauff geben.
In der Ferne sehe ich Bäume, die sind vielleicht 20-30km weit weg. Das heisst, dass man von meinem Sattel aus ca. 3000 km2 überblickt. Das ist 6x die Fläche des Kanton Baselland!!!
Der Zeltplatz heute ist eine Katastrophe. Nichts funktioniert, alles ist kaputt. Zudem befindet er sich wie immer am Ende der Stadt. Das macht die letzten km immer so mühsam, denn man muss die ganze Stadt durchqueren, was beim Ermüdungsgrad gefährlich ist und dieses Stop and Go geht unheimlich in die Knochen. Zudem ist man nie ganz sicher, ob man nicht vom Weg abgekommen ist.
Kurz vor dem Dinner entdecken wir einen Riesen B allsaal, den wir frei nutzen können. Nach dem Essen zügle ich mein Zelt, das ohne Hderinge frei stehen kann, in den Ballsaal. Damit bin ich sicher, dass es morgen beich packen trocken ist. Das ist wichtig, denn motgen übernachten wir in einem Hotel, wo das Zelttrocknen immer sehr umständlich ist. Natürlich mockieren sich ein paar über meine Entscheidung, aber etwas später hat es mir die Hälfte nachgemacht. Der Boden ist hart, was mr wiederum die Gelegenheit gibt, meinen Zeltboden zu putzen. Das geht nämlich nur, wenn der Boden flach und hart ist.
Und dann fällt mir noch ein, dass ich über Uruguay noch gar nichts gesagt habe. In Europa kennt ja keiner Uruguay und man macht sich völlig falsche Vorstellungen. Ein Land voller Banditen, Halbstarken und Zuhälter. Keine Kultur, keine Industrie, keine Zukunft. Alles falsch. Die Menschen sind übermässig freundlich. In den Städten und auf der Strasse herrscht Ordnung und nirgends ist Hektik auszumachen. Der Verkehr rollt in den Städten mit 30 km. Alle sind Rücksichtsvoll. Keine Aggressivität, auch auf den Strassen nicht. Ein ideales Ferienland. Ich kann nur empfehlen, sich über Uruguay zu informieren und allenfalls mal in Uruguay Ferien zu machen. Es gibt hier tolle Städte und Strände. Ende der Propaganda.
Übrigens fällt es mir immer schwerer, in deutsch zu schreiben. Unterwegs rede ich englisch, zu den Einheimischen versuche ich es mit spanisch, dann rede ich auch noch französisch und deutsch. Aber mit der deutschen Schrift wird es immer schwerer. Ich muss immer mehr meine Worte suchen und überlegen, wie ich denn den Satz fertig mache.

Mittwoch, 2. September 2009

Sa, Tag 038: Baigorria-Bouquet


1. September 2009, Buquet, Argentinien, km 03’574

Heute gibt es nur wenig zu schreiben. Kurz vor der Abfahrt heute morgen habe ich mich entschieden, im Truck zu fahren. Unterwegs nehmen wir noch Jessica mit auf den Truck, die auf der rutschigen Strasse mit ihrem Rennvelo gestürzt ist. Noch ganz benommen wird sie von Ricardo, unserem Samariter, gepflegt. Ausser ein paar Schürfungen nichts wirklich schlimmes. Nicht einfach, für die neuen, denen die Erfahrung noch fehlt. Ansonsten verläuft die Fahrt ohne Problem. Dank dem günstigen Rückenwind treffen die ersten Fahrer gemeinsam mit den Begleitfahrzeugen im Camping ein. Dieses ist heute sehr primitiv eingerichtet (ganz schlechte WCs, keine Duschen, keine Waschgelegenheit, dafür 2 lärmige Fussballplätze). Ansonsten Routine.
Leider funktioniert mein Fotoapparat immer noch nicht, so dass ich heute auf ein altes Foto zurückgreifen muss. Hoffentlich geht es morgen besser.

Dienstag, 1. September 2009

SA, Tag 037: San Pedro-Baigorria


31. August 2009, Baigorria, Argentinien, km 03’424

Heute kann ich mir das Tagebuch schreiben sparen. Der Tag verläuft genau gleich wie der 17. August. Klebrige, unglaublich rutschige Lehmstrassen! Unbeschreiblich!!!. Und diesmal fahren wir gut 150 km. Für die erfahrenen Biker Routine, für die neuen hingegen gar nicht so einfach. Aber man gewöhnt sich an so manches. Heute gibt es ein Novum. Ich treffe im Camp ein, bevor unsere Begleitfahrzeuge eingetroffen sind. Beide sind sie im Lehm steckengeblieben!
Dummerweise ist Wasser in meine Lenkertasche eingedrungen, so dass alles klatschnass ist. Auch mein Fotoapparat, der damit ausser Funktion ist. Schade, denn Rosario, wo wir gegen Ende des Nachmittags durchfahren, ist eine sehr schöne Stadt (schon was von Rosario gehört? 1.2 Million Einwohner!). Insbesondere die Brücke hat es mir angetan. Vielleicht bekomme ich ein Foto von einem anderen Teilnehmer. Dirk hatte heute weniger Glück als ich. Er ist wie viele andere auch gestürzt. Da der Boden weich ist, hat es ihm natürlich nicht weh getan, aber das Bike ist unbrauchbar. Duncan, unser Mech aus Neuseeland, versucht nun seit Stunden, das Bike wieder benutzbar zu machen.
Ansonsten nicht viel neues hier in Argentinien.